Die formelhafte Zusammenfassung der Eltern für das Geschehen war der Schicksalsschlag. Ein Schicksal, worauf man persönlich keinen Einfluß hatte nehmen können. Den Jungen verloren und das Heim, das war einer der Sätze, mit denen man sich dem Nachdenken über die Gründe entzog. Man glaube, mit diesem Leid seinen Teil an der allgemeinen Sühne geleistet zu haben. Fürchterlich war eben alles, schon weil man selbst Opfer geworden war. Opfer eines unerklärlichen kollektiven Schicksals. Es waren dämonische Kräfte, die entweder außerhalb der Geschichte walteten oder Teil der menschlichen Natur waren, auf jeden Fall waren sie katastrophisch und unabwendbar. Entscheidungen, in die man sich nur schicken konnte und man fühlte sich vom Schicksal ungerecht behandelt.
Aus: Uwe Timm Am Beispiel meines Bruders
Inhaltsverzeichnis, Hörspielmanuskript Franz Klobouk