Alex: Meine Familie treibt die Frage um, wieso mein Opa freiwillig zur SS ging und nicht zur Wehrmacht. Er war - nach allem, was wir wissen - kein glühender Faschist. Warum wurde er nicht “normaler” Soldat, sondern Mitglied einer Organisation, die, wie wir nun wissen, für grausame Kriegsverbrechen (auch gegen die Zivilbevölkerung) verantwortlich war? Mein Opa war Donauschwabe, also Angehöriger einer deutschsprachigen Minderheit im ehemaligen Jugoslawien.
Günter: Die Donauschwaben, wie wir erfuhren, lebten als sog. Deutschstämmige unter drei Nationalitäten, als Österreich-Ungarn, Serben und zu Beginn des Nationalismus in Deutschland waren sie Jugoslawen, allerdings ohne Pass. Als Deutschland 1939 den Krieg gegen seine Nachbarländer erklärte, beteiligten sich auch die Donauschwaben daran- fernab von Deutschland. Im Verlauf des Krieges wurden nach und nach alle deutschstämmigen Männer außerhalb Deutschlands im südosteuropäischen Raum entweder in die deutsche Armee zwangsrekrutiert oder sie traten freiwillig ein. Mein Vater tat dies, 20jährig und trat im Frühjahr 1942 freiwillig in die SS Totenkopf Division ein.
Alex: Wir haben die Aussage meiner Oma und anderer Verwandten, dass die Donauschwaben als Nichtdeutsche nicht die Option hatten, zur Wehrmacht zu gehen, sondern auf Grund von Verträgen der Nationalsozialisten mit ihren Heimatländern nur zur SS gehen konnten.
Günter: Laut Wikipedia waren unter den Donauschwaben 15.000 Soldaten bei der Waffen SS aber nur etwa 500 bei der Wehrmacht. Warum sich anteilsmäßig so viele in der SS einfanden, konnten wir nicht klären.
Alex: Ja, auffallend viele Donauschwaben wurden Teil der SS, aber einen Beweis für die Existenz dieser Verträge konnten wir bisher auch nicht finden. Unser Historiker Clemens Tangerding arbeitet an der Klärung dieser Frage.
(Alexandra und Günter, Dezember 2021)