„… Als im Jahre 1942 der Krieg in höchstem Grade wütete, war ich auch unter denen, die auszogen, den Feind verjagen zu lernen. Oh, ich war sehr stolz, deutscher Soldat werden zu dürfen. - „Es ist alles seitdem planmässig verlaufen.“ - Am 2. April desselben Jahres war der große Abschied von diesem Bahnhof. Ich saß im Coupé mit vielen anderen zusammen. Draußen standen die Lieben und winkten uns heroisch zu, als ob wir jetzt den Krieg gewinnen fahren. Musikkapellen spielten „Wenn ich komm“, Redner schrien mit heiseren Stimmen etwas vom schon fast am Ende seienden Feind - „…und dann kommt ihr und schlagt zu!…“ Rechts standen die Bräute verschiedener Kameraden in schwarzen Röcken und weißen Blusen, sangen irgendein Kampflied und strahlten vor Glück. Die Jungburschengruppe schmetterte die soeben herausgekommenen Paraschlager und aus den Augen der Bräute triumphierte ein noch nie da gewesener Stolz.

Dann sah ich Opa. Hier stand er, ruhig und gelassen. Sein Haar ist grau und sein Blick gütig. Er hatte einen Krieg überstanden  -1914/17- und weiß Bescheid.  Aus seinen Augen geht kein Stolz, sondern Tränen. Noch nie hatte ich ihn weinen gesehen, heute zu diesem schönen Abschied tat er es - warum doch nur? Dann fuhr der Zug los. Als die kleinen Wagen um eine Kurve bogen, sehe ich ganz weit hinten zwischen der Menge einen alten Mann mit hochgehobenem Hut in der Hand.”

(Franz Klobouk: Ausschnitt aus den Tonbandaufnahmen)

(Aus dem Antrag auf Kriegsgefangenenentschädigung Klobouk, Franz / Bundesarchivsignatur B 563)