Was ich über meinen Opa im Krieg gehört habe

Er hat sich extra dumm angestellt, damit sie ihn nicht brauchen können. Dafür musste er beim Marschieren immer vorweg laufen und singen (und das konnte er gar nicht). Aber das war ihm Wurscht. (Therese Klobouk) 

…in meiner Familie erzählt man sich, dass sich mein Opa aus Dummheit und Patriotismus zusammen mit vielen anderen jungen Männern freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet habe. Sein Vater und Großvater mit Kriegserfahrung hätten ihn davon abbringen wollen und ihm geraten sich an der Waffe möglichst ungeschickt anzustellen, um nicht an vorderster Front eingesetzt zu werden. Er habe als ausgebildeter Mechaniker als Panzermechaniker gearbeitet und nach seiner Aussage das Glück gehabt nie jemanden umbringen müssen. Er habe in einer Werkstatt hinter der Front gearbeitet und ein gutes Verhältnis zu den russischen Einheimischen gehabt, welche ihn bei Krankheit und bei seiner Desertation durch Russland, nachdem seine Einheit zerrieben war, unterstützt hätten.

Im Gespräch mit dem Historiker haben wir erfahren, an welchen Gräueltaten die Einheiten der Totenkopfdivision beteiligt waren. Wie ist es möglich, dass man als Mitglied einer solchen Einheit ein gutes Verhältnis zur Bevölkerung gehabt hat? Die Front hat sich auch stetig weiterbewegt - Wie kann es unter diesen Umständen eine Werkstatt gegeben haben? Ist er tatsächlich desertiert, oder zog er sich mit den letzten Resten seiner Einheit zurück - der Weg und die Zeit decken sich…

(Alexandra, 2021)